Weltstars aus Gegenwart und Vergangenheit in einer mittelhessischen Stadt, in Wetzlar. Nach dem Debüt 1975 ist die ehemalige Reichsstadt an der Lahn vom 1. Juni bis zum 10. Juni 2012 zum zweiten Mal Gastgeberin der Großveranstaltung „Hessentag“, zu der hunderttausende von Besucher erwartet werden. Am Eröffnungstag gibt Elton John und Band ein Konzert. Am 3.6. folgt Shootingstar 2011 Tim Benzko. Am 6. Juni folgt Weltstar Lenny Kravitz, am 7. Juni die irische Gruppe Celtic Woman und am selben Tag auch die Band Silbermond.
Werthers Leid, Wetzlars Freud…
Die vielen interessanten Museen der Stadt erstrahlen bis dahin im neuen Glanz – oder warten mit faszinierenden Sonderausstellungen auf. In deren Zentrum stehen auch hier einige Weltstars, wenngleich in diesem Falle Stars vom 18. bis 20. Jahrhundert. Beispiel Goethe: Der Frankfurter legte in Wetzlar den Grundstein zu seiner Weltkarriere. Goethe lernte während seiner verhassten Praktikantenzeit am Reichskammergericht im Sommer 1772 die Bürgerstochter Charlotte Kestner (geborene Buff) kennen. Die unerfüllte Liebe zu ihr und der Freitod des Legationssekretärs Karl Wilhelm Jerusalem im selben Jahr inspirierten den jungen Literaten zu seinen weltbekannten Figuren Lotte und Werther. Der zwei Jahre später erschienene Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ machte Goethe über Nacht in Europa zum Erfolgsschriftsteller. Werther machte Mode, in der Kleidung, im Lifestyle des 18. Jahrhunderts. Die Romanfigur animierte aber auch, natürlich ungewollt vom Erfinder, etliche liebesleidende Zeitgenossen - auf den Spuren von Jerusalem - zum Suizid. Die Sonderausstellung „..mein Werther – dein Werther – unser Werther…“ beleuchtet dieses Stück literarische Weltgeschichte in einer Sonderausstellung. Anlass dafür ist u.a. die neue, internationale „Werther“-Abteilung der Stadtbibliothek Wetzlar. Zu besichtigen vom 31. Mai bis 17. Juni 2012 im Stadt- und Industriemuseum von Wetzlar. Wer sich auf weitere Spurensuche zu diesem Bestseller des 18. Jahrhunderts begeben will, dem seien die Dauerausstellungen im Lottehaus (Lottestraße 8-10) und im Jerusalemhaus (Schillerplatz 5) empfohlen.
Affäre Papius
Ausreichend Bezüge und Anregungen für aktuelle Diskussionen verspricht auch die Sonderausstellung „Affäre Papius“. Sie hat die Korruption am Reichskammergericht zum Inhalt, das von 1690/93 bis 1806, dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, seinen Sitz in der mittelhessischen Stadt hatte. Im Zentrum steht der Lebemann Johann Hermann Joseph Franz Freiherr von Pape, genannt Papius, der damals Assessor war. Dokumentiert werden sein luxuriöses Leben, seine Bestechungsaffäre sowie die Arbeit der Visitationskommission. Reflexionen, was damals und heute eine Gesellschaft unter Korruption versteht und wie sie damit umgeht sind ausdrücklich erwünscht. Zu sehen sind bislang noch nicht gezeigte Originaldokumente und ausgewählte Exponate aus den Städtischen Sammlungen und von nationalen Leihgebern (31. Mai bis 30. September 2012 im Reichskammergerichtsmuseum, Wetzlar, Rosengasse 16).
Der adelige Lebemann von Pape steht 2012 noch ein zweites Mal im Zentrum des kulturellen Interesses. Sein Adelspalais in der Kornblumengasse 1 wurde seit 2007 umfangreich saniert und nach neuesten museums- und ausstellungstechnischen Standards eingerichtet. Es beherbergt eine der bedeutendesten Privatsammlung europäischer Wohnkultur der Renaissance und des Barock. Die rund 450 Exponate umfassende Sammlung stammt von der 1984 verstorbenen Kinderärztin Dr. Irmgard Freiin von Lemmers-Danforth, die ab 1975 auch in diesem Palais wohnte. In diesem Frühjahr sollen das Palais und die Ausstellung neu eröffnet werden.
Jubiläumsausstellung über Paul Klose
Ein Highlight für Kunstfreunde verspricht die Ausstellung „Paul Klose (1912-1982). Späte Werke 1970-1982“. 2012 jährt sich der 100. Geburtstag des Wetzlarer Malers, Zeichners und Typographen. Vor elf Jahren erwarb die Stadt seinen umfangreichen Nachlass, der seitdem im Paul-Klose-Archiv der Städtischen Sammlungen Wetzlar aufbewahrt wird. Nachdem in den letzten Jahren bereits Werke aus der frühen Schaffensphase und aus den fünfziger Jahren gezeigt wurden, widmet sich die diesjährige Jubiläumsausstellung dem Spätwerk von Paul Klose aus den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt liegt auf Gouachen und Aquarellen. Zahlreiche Leihgaben aus Privatbesitz ergänzen die gezeigten Werke aus den Städtischen Sammlungen. Die Sonderausstellung ist vom 31. Januar bis 29. April 2012 geöffnet.
Der Leica-Erfinder und seine weltweit erste Kleinbild-Fotoreportage
über das Hochwassser von 1920 in Wetzlar
Dass Wetzlar auch eine bedeutende Industriestadt ist, zeigt u.a. die Sonderausstellung „Leidenschaft und Perfektion“. Hier, an der Lahn, erfand Oskar Barnack die Leica, die erste Kleinbildkamera der Welt. Die renommierte Marke ist bis heute ein Synonym für Leidenschaft und Perfektion. Ihr Erfinder hat selbst mit seinen Leicas gerne und viel fotografiert. Die Leica Camera AG zeigt in einer Ausstellung im Stadt- und Industriemuseum, die auch während des Hessentags 2012 zu sehen ist, eine exklusive Auswahl der eindrucksvollsten Bilder von Oskar Barnack. Darunter sind die ersten, jeweils mit einer Leica aufgenommenen Bilder, aber auch die fotohistorisch bedeutungsvolle Serie über das Hochwasser in Wetzlar aus dem Jahr 1920, die als erste Kleinbildreportage überhaupt gilt.