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M. für GemeinwesenWetzlar
Bis 1806 war Wetzlar Sitz des Reichskammergerichts. Im Reichskammergerichtsmuseum wird vom 31. Mai bis 30. September die Sonderausstellung …Affäre Papuis“ über Korruptionfälle am Reichskammergericht Mitte des 18. Jahrhunderts gezeigt.

Reichskammergerichtsmuseum

Im Jahre 1495 gründete Kaiser Maximilian I. im Zuge der Reichsreform und der Proklamation des „Ewigen Landfriedens” das Reichskammergericht als oberstes Gericht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Es hatte die Aufgabe, anstelle von Fehde, Gewalt und Lösegelderpressung ein geregeltes Streitverfahren vor Gericht durchzusetzen und damit Konflikte in friedliche Bahnen zu lenken.

Nachdem das Reichskammergericht zunächst in Frankfurt am Main, dann in verschiedenen süd- und südwestdeutschen Städten residierte, hatte es seinen Sitz ab 1527 in Speyer und nach dessen Zerstörung von 1689 bis zum Ende des Alten Reichs 1806 in Wetzlar.

Im 19. Jahrhundert geriet seine historische Bedeutung weitgehend in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert betonte die Forschung die Relevanz des Gerichts für die geschichtliche Entwicklung. Von interessierten Persönlichkeiten aus Justiz, Forschung und Kommunalpolitik wurde 1985 in Wetzlar die Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e. V. gegründet, die sich die Einrichtung eines Museums und einer Forschungsstelle zur Aufgabe gemacht hatte. Die Arbeit wird bis heute durch einen wissenschaftlichen Beirat unterstützt. 

Schon zwei Jahre später nach Gründung der Gesellschaft wurde 1987 das Museum eröffnet. Es nutzt ein von dem Kammergerichtsassessor Johann Hermann Franz von Pape erbautes dreistöckiges Kameralenpalais, das sich vorzüglich für die museale Präsentation eignet. Als historisches Spezialmuseum greift es auf beträchtlichen Eigenbesitz und auf Dauerleihgaben zurück. Aufbau, Arbeitsweise, Schwierigkeiten und Behinderungen, doch auch Leistungen und Wirkungen des Reichskammergerichts während der gesamten Zeit seiner Tätigkeit, seine Rolle im Zusammenwirken der Reichsorgane und seine Bedeutung für die Entwicklung der Rechtsliteratur und der Sozial- und Mentalitätsgeschichte werden im Museum dargestellt. Dazu sind originale Bildnisse, Möbel, Plastiken und zeitgenössische Drucke zu sehen.

Außerdem steht ein Raum mit 40 Sitzplätzen zur Verfügung, in dem eine mehrsprachige Tonbildschau in das Thema einführt.

Die Forschungsstelle

In demselben Haus ist die Forschungsstelle zum Reichskammergericht angesiedelt. Sie untersucht anhand der 80.000 Prozessakten die Grundlagen, Methoden und Wirkung der Rechtsprechung des Reichskammergerichts sowie die rechtlichen und sozialen Verhältnisse der Richter und Anwälte.

Die Forschungsstelle begreift sich als Koordinierungsstelle aller Forschenden, die sich mit der Höchsten Gerichtsbarkeit im Zeitraum von 1500 bis 1800 befassen. In eigenen Räumlichkeiten finden regelmäßig internationale Kolloquien renommierter Wissenschaftler/innen zur aktuellen Forschungstätigkeit statt. Nachwuchswissenschaftler/innen haben sich in einem „Netzwerk Reichsgerichtsbarkeit” mit eigenen Tagungen zusammengeschlossen.
Vorschau 31.5.-30.9.2012Die …Affäre Papius“
Die …Affäre Papius“. Korruption am Reichskammergericht

Unter Fürst Karl Philipp zu Hohenlohe war am Reichskammergericht Korruption eingerissen, die dem Ansehen des Gerichts schweren Schaden zufügte. Die ...

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