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Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz

Karneval zwischen Unterhaltung und Propaganda

Motivwagen „Staliniade“ im Rosenmontagszug 1938. Propaganda gegen Stalin und die Sowjetunion. Copyright: NS-DOK.
Motivwagen „Staliniade“ im Rosenmontagszug 1938. Propaganda gegen Stalin und die Sowjetunion.
„Bordfest“ Sitzungskarneval für die Massen, organisiert von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ in der Rheinlandhalle, 1935/1936. Das Schiff in der Mitte der Halle soll an die Kreuzfahrten der NS-Organisation erinnern. Copyright: Werner Liessem.
„Bordfest“ Sitzungskarneval für die Massen, organisiert von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ in der Rheinlandhalle, 1935/1936. Das Schiff in der Mitte der Halle soll an die Kreuzfahrten der NS-Organisation erinnern.
Werbung für das „Bordfest“, eine Karnevalsveranstaltung organisiert von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“. Copyright: Werner Liessem.
Werbung für das „Bordfest“, eine Karnevalsveranstaltung organisiert von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“.
Karnevalsorden des Kölner Verkehrsvereins, 1934. Copyright: Kölner Karnevalsmuseum.
Karnevalsorden des Kölner Verkehrsvereins, 1934.
Max Salomon, ehemaliger Präsident des einzigen jüdischen Karnevalsvereines, dem „Kleinen Kölner Klub“, bei einer Karnevalsveranstaltung im Exil in den USA. Copyright: NS-DOK.
Max Salomon, ehemaliger Präsident des einzigen jüdischen Karnevalsvereines, dem „Kleinen Kölner Klub“, bei einer Karnevalsveranstaltung im Exil in den USA.
Gertie Ransshoff, nicht-jüdisch und beliebte Büttenrednerin im Kölner Karneval, beging 1932, eine Woche nach dem Selbstmord ihres jüdischen Ehemannes, ebenfalls Selbstmord. Copyright: Kölner Karnevalsmuseum .
Gertie Ransshoff, nicht-jüdisch und beliebte Büttenrednerin im Kölner Karneval, beging 1932, eine Woche nach dem Selbstmord ihres jüdischen Ehemannes, ebenfalls Selbstmord.
Willi Ostermann und Hans David Tobar (Mitte hintere Reihe) bei einem Sondergastspiel rheinischer Künstler und Karnevalisten auf der Insel Norderney. . Copyright: NS-DOK.
Willi Ostermann und Hans David Tobar (Mitte hintere Reihe) bei einem Sondergastspiel rheinischer Künstler und Karnevalisten auf der Insel Norderney.
Dankesschreiben an Karl Küpper für einen Auftritt bei der Wehrmacht, 1943. . Copyright: Gerhard A. Küpper.
Dankesschreiben an Karl Küpper für einen Auftritt bei der Wehrmacht, 1943.
Büttenredner Karl Küpper als „Abessinier“ im Rosenmontagszug von 1936. Im Hintergrund ist hinten rechts die alte Oper zu sehen. „Der Berichterstatter aus Abessinien“: Auf die Regime-kritische Büttenrede des Karnevalisten Karl Küpper folgte die Verhaftung . Copyright: Gerhard A. Küpper.
Büttenredner Karl Küpper als „Abessinier“ im Rosenmontagszug von 1936. Im Hintergrund ist hinten rechts die alte Oper zu sehen. „Der Berichterstatter aus Abessinien“: Auf die Regime-kritische Büttenrede des Karnevalisten Karl Küpper folgte die Verhaftung
Thomas Liessem als Sitzungspräsident in der Lese, 1936. Copyright: Werner Liessem.
Thomas Liessem als Sitzungspräsident in der Lese, 1936.
Thomas Liessem, Präsident des Festausschusses Kölner Karneval, 1936. Copyright: Werner Liessem .
Thomas Liessem, Präsident des Festausschusses Kölner Karneval, 1936.
Internationale Werbung für den Kölner Karneval, 1938. Copyright: Marcus Leifeld.
Internationale Werbung für den Kölner Karneval, 1938.
Kölsche Pänz beim Rosenmontagszug, 1938. Copyright: NS-DOK.
Kölsche Pänz beim Rosenmontagszug, 1938.
Hotel „Großer Kurfürst“, Am Domplatz, 1936. Copyright: Kölner Karnevalsmuseum .
Hotel „Großer Kurfürst“, Am Domplatz, 1936.
Das Kölner Dreigestirn 1939, mit Else Horion als weibliche Jungfrau. Copyright: Kölner Karnevalsmuseum.
Das Kölner Dreigestirn 1939, mit Else Horion als weibliche Jungfrau.
Motivwagen „Däm han se op d´r Schlips getrodde!“ [„Dem haben Sie auf den Schlips getreten!“] im Rosenmontagszug 1936. Copyright: NS-DOK.
Motivwagen „Däm han se op d´r Schlips getrodde!“ [„Dem haben Sie auf den Schlips getreten!“] im Rosenmontagszug 1936.
AusstellungKöln, 18.11.2011 bis 1.4.2012
Karte

EL-DE-HausAppellhofplatz 23-2550667 Köln

www.museenkoeln...p?s=539&tid=264www.nsdok.de

Di-Fr 10-18 UhrSa-So 11-18 Uhr

Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz

Karneval zwischen Unterhaltung und Propaganda

Lange Zeit war die Beschäftigung mit dem Thema Karneval, Fasching oder der Fastnacht während des Nationalsozialismus tabuisiert. Das Fest unmittelbar vor der Fastenzeit hatte - so die weitläufige Meinung - nichts mit den Nationalsozialisten zu tun oder es zeigte sich gar widerständig. An diesem Bild änderten auch einzelne kritische Abhandlungen zu Freiburg, Mainz oder auch Köln nichts. Sie wurden kaum wahrgenommen. Erst mit einem allgemeinen Generationswechsel setzte um das Jahr 2000 eine ganze Reihe von Studien ein, die neue Kenntnisse hervorbrachten und damit einen offenen und kritischen Umgang mit dem Karneval ermöglichen.

Erstmals bietet das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln ab 18. November 2011 in einer Ausstellung einen differenzierten Blick auf die Entwicklungen des Kölner Karnevals von 1933 bis 1945. Der Besucher erfährt den schönen Schein einer fröhlichen feiernden Bevölkerung und er schaut sprichwörtlich hinter die Kulissen, um die Wirklichkeit hinter dem schönen Schein zu entdecken. Ganz so wie im Karneval selbst, werden dabei alle Sinne angesprochen, dem Besucher werden Tonaufnahmen (Original wie nachgesprochen) und seltene Filmsequenzen, zahlreiche Fotografien aus Privatarchiven und einzigartige Ausstellungsobjekte präsentiert.

Die Ausstellung zeigt, dass sich der Karneval auf den ersten Blick kaum änderte, tatsächlich wurde er aber gleichgeschaltet und instrumentalisiert.

Der erste Bereich thematisiert die Karnevalsgesellschaften und ihre Gleichschaltung. Es gab eine enge personelle Verschränkung von Karnevalisten und Angehörigen der NS-Organisation Kraft durch Freude, der SA, der kommunalen Behörden und Parteistellen. Die lokalen nationalsozialistischen Parteifunktionäre und Amtsträger bauten den Karneval zur Unterhaltung der Massen als wichtige Voraussetzung zur Herrschaftsstabilisierung wie auch zur Förderung von Tourismus und Wirtschaft aus.

Der zweite Themenbereich umfasst die Rosenmontagszüge, der dritte die karnevalistischen Saalveranstaltungen. Hier wird die ganze Bandbreite von harmloser Unterhaltung bis zur NS-ideologisch aufgeladenen Propaganda präsentiert. Insbesondere ab 1936 wurden in Motivwagen der Rosenmontagszüge, in Büttenreden und in Liedern politische, ideologische und antisemitische Vorstellungen des Regimes propagiert. Nur in seltenen Fällen waren im Karneval Regime-kritische Töne zu hören.

Im Bereich des Sitzungskarnevals werden Ausschnitte von der ersten Prinzenproklamation von 1936 gezeigt. An Audio-Stationen werden zeitgenössische Lieder präsentiert ebenso wie Büttenreden, ob politisch, unterhaltend oder regime-kritisch.

Im vierten Bereich stehen die Biographien von drei Karnevalisten im Mittelpunkt: der Kölner Mundartdichter Willi Ostermann, der bedeutende Lieder für den Karneval schrieb; Hans Tobar, Conférencier und Autor zahlreicher Heimatrevuen, erhielt als Jude Auftrittverbot und emigrierte 1939 in die USA und schließlich Karl Küpper, der sich als einziger konsequent einer Zensur widersetzte und schließlich ins Visier der Gestapo geriet.
Ort der Ausstellung:
EL-DE-Haus, Köln
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