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Jerusalemhaus

Wetzlar

Carl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar, Silhoettenbild, um 1770. Städtische Museen Wetzlar.
Carl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar, Silhoettenbild, um 1770
LiteraturmuseumWetzlar
Karte

Schillerplatz 535573 Wetzlar

Tel. 06441-994131anja.eichler@wetzlar.de

Di-So 14-17 Uhr

www.wetzlar.de/i...vID=370.150&La=1www.museen-wetzlar.de

Jerusalemhaus

und Goethe-Werther-Bücherei

Das „Jerusalemhaus“ ist in Wetzlar als literarische Gedenkstätte das Gegenstück zum Lottehaus. Benannt wurde das Gebäude nach dem Legationssekretär Karl Wilhelm Jerusalem, der hier bis zu seinem tragischen Selbstmord im Jahr 1772 wohnte und Goethe als Urbild für seine Romanfigur des „Werther“ in seinem Roman „die Leiden des jungen Werthers“ diente.

Der Buchdrucker Georg Ernst Winckler (1656 - 1728) kam 1694 von Herborn nach Wetzlar, nachdem das Reichskammergericht 1689 von Speyer nach Wetzlar verlegt worden war und 1693 seine Arbeit aufgenommen hatte. Dieser Umzug war für ihn wirtschaftlich äußerst lukrativ, nachdem sich der Bedarf des Gerichts an gedruckten Formularen und anderen Drucksachen vervielfachte. Winckler erwarb das Gebäude als Wohnhaus und richtete in einem weiteren, an den Hinterhof grenzenden Haus die erste Druckerei in Wetzlar ein.Um 1740 wurde das Fachwerkhaus erweitert und erhielt seine charakteristische Doppelerkerfassade. Im zweiten Stock des zwischen 1984 und 1986 renovierten Gebäudes bezog Karl Wilhelm Jerusalem 1772 eine zwei Räume umfassende möblierte Mietwohnung; Jerusalem war seinerzeit als braunschweigischer Legationssekretär am Reichskammergericht tätig.
Die Gedenkzimmer zeigen neben bürgerlichem Mobiliar des 18. Jahrhunderts grafische Bildnisse, Landkarten und Druckschriften mit zeitlichem und persönlichem Bezug zu Karl Wilhelm Jerusalem.
Karl Wilhelm Jerusalem war der Sohn des bekannten evangelischen Theologen und Pädagogen Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem. Er wurde am 21. März 1747 in Wolfenbüttel geboren.
Der vielseitig interessierte, philosophie-, kunst- und literaturbegeisterte Jerusalem studierte seit 1765 Jura an der Universität Leipzig und lernte bereits in dieser Zeit Goethe kennen.

Sein Studium schloss er 1769 in Göttingen ab und wurde 1770 zum Assessor an der herzoglich-braunschweigischen Justizkanzlei in Wolfenbüttel ernannt.

1771 ging Jerusalem als Legationssekretär der braunschweigischen Gesandtschaft zum Studium der Prozessführung am Reichskammergericht nach Wetzlar und traf dort Goethe wieder.
Differenzen mit seinem Vorgesetzten und Zurücksetzungen aufgrund seiner bürgerlichen Herkunft durch die adlige Gesellschaft trugen zum persönlichen Missempfinden Jerusalems bei. Die unglückliche Liebe zur Gattin des kurpfälzischen Geheimen Sekretärs Herd, in der Wetzlarer Gesellschaft ruchbar geworden, schwächten seine gesellschaftliche Position zusätzlich.

Jerusalem beging am 29. Oktober 1772 in seiner Wohnung am heutigen Schillerplatz 5 Selbstmord und erlag am nächsten Tag seiner Schussverletzung. Die Wohnung wurde bereits 1907 durch den Wetzlarer Geschichtsverein als literarische Memorialstätte (Jerusalemhaus) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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