Déjà-vu
Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis You Tube
Das Phänomen des Kopierens ist so alt wie die Kunst selbst. Im Zeitalter von „Copy & Paste“ stellt sich die Frage nach dem Stellenwert von Kopien mit neuer Aktualität. Die Karlsruher Ausstellung spannt erstmals unter diesem Gesichtspunkt den Bogen von der Kunst des späten Mittelalters über die Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst und zur Welt des Internet.
Ziel der Ausstellung ist es, Phänomene des Kopierens und Reproduzierens vom späten Mittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst darzustellen. Es werden herausragende Beispiele aus sieben Jahrhunderten vorgestellt und miteinander in Beziehung gesetzt. Der Gang durch die Epochen macht deutlich, dass Kopien und Originale im Lauf der Zeit verschiedene Funktionen erfüllen und sehr unterschiedliche Wertschätzungen erfahren konnten.
Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä. und Pieter Brueghel d. J. repräsentieren die Kopierpraxis in der Frühen Neuzeit. Für die kunstsinnige Markgräfin Caroline Luise von Baden im 18. Jh. waren Kopien Grundlage zum Aufbau ihrer Sammlung und Vorlage für eigene Werke. Das kreative Kopieren im 19. Jh. wird durch Werke von Eugène Delacroix und Vincent van Gogh anschaulich, während mit Franz von Lenbach die Auftragskopie zum Thema wird.
Kein Künstler hat den (post-)modernen Diskurs zu Originalität und Authentizität stärker angeregt als Marcel Duchamp, der seit den 1960er Jahren von Elaine Sturtevant, Richard Pettibone und Mike Bidlo weitergeführt wird. Künstler wie Yinka Shonibare und Hiroshi Sugimoto demonstrieren einen ebenso freien wie bewussten Umgang mit der künstlerischen Tradition.
Mit dem Re-Inszenieren von Kunstwerken im Netz nimmt die Ausstellung aktuelle Diskussionen auf und setzt sie mit historischen Formen des Kopierens in Beziehung. Eine Kabinettausstellung im historischen Vorlegesaal der Kunsthalle ist der Popularisierung von Gemälden des 17. bis 19. Jahrhunderts in der Reproduktionsgrafik gewidmet.
Zu sehen sind rund 120 Werke, unter anderem von Albrecht Dürer, David Teniers d. J., Eugène Delacroix, Edgar Degas, Vincent van Gogh, Giorgio de Chirico, Cindy Sherman, Hiroshi Sugimoto und Yinka Shonibare. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken, Skulpturen und Fotografien, aber auch Rauminstallationen und Bilder aus dem Netz ergeben einen abwechslungsreichen Parcours.
Das Begleitprogramm bietet zahlreiche Themenführungen und Vorträge sowie Künstlergespräche an. Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren können im COPYSHOP (Hauptgebäude, Erdgeschoß) die kreativen Seiten des Kopierens kennen lernen. Die COPYBOX animiert die ganze Familie den Geheimnissen des Kopierens auf die Spur zu kommen. Erhältlich sind die Mappen im Eingangsbreich der Ausstellung.
Ort und Dauer der Ausstellung: