facebook Twitter Weiterempfehlen Favoriten Mehr Lesezeichen
Intern
An der engsten Stelle verstellt ein Torbogen den Weg. Die einstige Zollstation beherbergt heute das Audorfer Museum. Foto: Michael Steigenberger.
An der engsten Stelle verstellt ein Torbogen den Weg. Die einstige Zollstation beherbergt heute das Audorfer Museum.
Der Inn war einst ein bedeutender Verkehrsweg. Um ein Schiff flußaufwärts zu ziehen, brauchte es 30 Pferde.
Der Inn war einst ein bedeutender Verkehrsweg. Um ein Schiff flußaufwärts zu ziehen, brauchte es 30 Pferde.
Von der Frau des Müllner Peter üppig bemalter Bauernschrank.
Von der Frau des Müllner Peter üppig bemalter Bauernschrank.
Schwerpunkte der Hohenaschauer Vergangenheit im Prientalmuseum. Foto: Bude.
Schwerpunkte der Hohenaschauer Vergangenheit im Prientalmuseum
Ein Muß für Oldtimer-Freaks: Autos der 30er-Jahre im EFA-Museum in Amerang.
Ein Muß für Oldtimer-Freaks: Autos der 30er-Jahre im EFA-Museum in Amerang.
Weltgrößte Modelleisenbahnanlage der Spur II.
Weltgrößte Modelleisenbahnanlage der Spur II.
„Im Gleichschritt, meine Damen!” Nicht nur Gänse, auch Spaziergänger kommen im Freigelände des Bauernhausmuseums auf ihre Kosten.
„Im Gleichschritt, meine Damen!” Nicht nur Gänse, auch Spaziergänger kommen im Freigelände des Bauernhausmuseums auf ihre Kosten.
Wer kann’s lesen? Die alte Schulstube im Städtischen Museum in Wasserburg am Inn.
Wer kann’s lesen? Die alte Schulstube im Städtischen Museum in Wasserburg am Inn.
Dieser einst elegante Flieger wirkt ein wenig durcheinander. Gesehen im Urweltmuseum Neiderhell. Foto: Rainer Göttlinger.
Dieser einst elegante Flieger wirkt ein wenig durcheinander. Gesehen im Urweltmuseum Neiderhell.
Versteckt im Auwald entlang des Mangfall liegt das Tiermuseum Bruckmühl.
Versteckt im Auwald entlang des Mangfall liegt das Tiermuseum Bruckmühl.
Junge Damen sollten hier ganz besonders auf der Hut sein.
Junge Damen sollten hier ganz besonders auf der Hut sein.
Wer möchte hier, wo man so herzlich willkommen ist, nicht noch einmal wiederkommen?. Foto: Kurt Schubert.
Wer möchte hier, wo man so herzlich willkommen ist, nicht noch einmal wiederkommen?

Museenlandschaft am Inn

Im Chiemsee-Alpen­land ist für jeden, egal ob natur-, kultur- oder technik­be­geistert, etwas dabei.

Bäuerliches MuseumDE-83101 Rohrdorf

Audorfer MuseumDE-83080 Oberaudorf

Bauernhausmuseum AmerangDE-83123 Amerang

Museum im BlaahausDE-83088 Kiefersfelden

EFA - MuseumDE-83123 Amerang

Freilichtausstellung MühlenwegDE-83131 Nußdorf am Inn

Dorf- und HöhlenmuseumDE-83112 Frasdorf

Heimat- und IndustriemuseumDE-83059 Kolbermoor

Erstes Imaginäres MuseumDE-83512 Wasserburg am Inn

InnschifffahrtsmuseumDE-83115 Neubeuern

König Ludwig II. MuseumDE-83209 Chiemsee

KrippnerhausDE-83533 Edling

Müllner-Peter-MuseumDE-83229 Sachrang

Schloss HohenaschauDE-83229 Aschau im Chiemgau

Holztechnisches MuseumDE-83022 Rosenheim

Tier- und NaturkundemuseumDE-83052 Bruckmühl

Urweltmuseum NeiderhellDE-83064 Raubling

WallfahrtsmuseumDE-83052 Bruckmühl

Wasserburger BierkatakombenDE-83512 Wasserburg am Inn

WasserkraftmuseumDE-83620 Feldkirchen

HeimatmuseumDE-83209 Prien am Chiemsee

Städtisches MuseumDE-83022 Rosenheim

Heimatmuseum Bad AiblingDE-83043 Bad Aibling

Augustiner-ChorherrenstiftDE-83209 Chiemsee

Museum WasserburgDE-83512 Wasserburg am Inn

Inn-Museum im Bruckbaustadel am InnDE-83022 Rosenheim

Autor:Rainer Göttlinger

Bad Aibling, Rosenheim, Kiefersfelden - so mancher Tourist kennt diese Orte nur von den blauen Autobahnschildern, wenn es in Richtung Brenner und Italien geht. Schade eigentlich, denn ein Abstecher ins Umland wäre hier durchaus lohnend. Oder sogar ein mehrtägiger Aufenthalt in einem der vielen Landgasthäuser. Denn langweilig wird hier zwischen Chiemsee und Waginger See, Wasserburger Innschleife und Burg Kufstein – der Perle Tirols – so schnell niemandem, selbst wenn der bayerische Himmel einmal Tränen lacht. Dafür sorgen allein schon die vielen Museen der Chiemsee Alpenland Region: jedes einmalig in seiner Art, jedes einen Abstecher wert.

Lassen wir unsere kleine Rundtour ganz im Süden beginnen, dort wo es früher, zur Zeit der Pferdefuhrwerke, nur einen einzigen Weg gab, um vom Alpenvorland hinein ins Tirolerische zu gelangen. An der engsten Stelle verstellt ein Torbogen den Weg. Die einstige Zollstation beherbergt heute das Audorfer Museum. Von den ersten Siedlern, die man ihrer tönernen Relikte wegen Bandkeramiker nennt, bis in die touristisch geprägte Neuzeit wird hier in sechs Stationen die Geschichte des Landstrichs dargestellt. Einer der Altvorderen, ein Bajuvare, ruht in einer Seitenkammer, sein Langschwert neben ihm. Vom oberhalb des Ortes gelegenen Bergsporn, wo von der einst stolzen Auerburg nur noch ein Mauerrest steht, hätte man einen herrlichen Blick hinab auf den Fluß, der diesen Landstrich prägt und dereinst ein bedeutender Verkehrsweg war, wie eine weitere Abteilung anschaulich darlegt: der Inn und die Innschiffahrt.

Es gäbe noch so manches zu berichten über dieses Museums-Kleinod und auch über das unweit gelegene Museum im Blaahaus, aber wir wollen ja nicht alles vorwegnehmen und wenden uns einer Talschaft zu, die kaum ein Durchreisender je berührt, es sei denn er wollte von Kufstein auf kürzestem Wege an den Chiemsee, wo viele weitere Attraktionen warten.

Dabei das Müllner Peter Museum in Sachrang links liegen zu lassen wäre allerdings ein grober Schnitzer. Der Müllersohn, Musiker und Laienarzt Peter Huber, genannt Müllner Peter, ist vor allem durch sein fleißiges Sammeln regionalen Liedguts bekannt. Im Musikzimmer findet sich neben seinen Instrumenten – Klavier, Pauke, Geige, Oboe – ein Sachbuch, das ein gewisser Herr Mozart verfaßt hat. Nein, nicht Wolfgang Amadeus, sonden dessen Vater Leopold.

Aus dem ausgestellten Sachgut spricht die soziale Härte des Lebens in einem Bergdorf um 1800, die ausschweifende Volksfrömmigkeit, aber auch ein gewisser innerer Reichtum, in der üppigen Ornamentik der Schlafstube etwa. Und unter dem Gebälk trocknen Kräuter, wie sie der Müllner Peter für seine Rezepturen verwendete.

Man hätte noch das Krippnerhaus mitnehmen können und natürlich auch das Schloß Hohenaschau mit dem Prientalmuseum, dann blieben ja aber gar keine musealen Highlights mehr übrig für den nächsten Besuch im Chiemsee-Alpenland. Und so bleibt vorerst auch der Bärenschädel unbestaunt, mit dem das Höhlenmuseum Frasdorf aufzuwarten hätte.

Auf gar keinen Fall fehlen bei dieser Tour darf aber natürlich das EFA Museum für deutsche Automobilgeschichte, denn hier geben sich die Klassiker aller Epochen ein aufregendes Stelldichein. Nicht nur solche mit einem Stern auf der Motorhaube, auch so klingende Namen wie Horch, Wanderer, Maybach, BMW, Opel, Ford und VW sind vertreten – und eine Modelleisenbahn der Spurweite II. Es soll sich um die weltweit größte in diesem etwas raumgreifenden Maßstab handeln. Man mag es angesichts der 500 Quadratmeter gerne glauben.

Da man ja schon einmal in Amerang ist, liegt es nahe, auch dem bekannten Bauernhausmuseum einen Besuch abzustatten. Typisch für ein Freilichtmuseum liegen die Gebäude weitläufig auf dem Gelände verstreut, ein Besuch gerät also stets auch zum Spaziergang durch die typische Chiemgauer Kulturlandschaft, selbstverständlich ohne störenden Autoverkehr. Jetzt im Juli könnte man vor der Kulisse des Bartlhofs eine Freilicht-Theateraufführung erleben oder einen Kurs für das Mähen mit der Sense belegen, naturnahe Wiesen bietet das Museum ja zuhauf. Allerdings muß die Sense mitgebracht werden und ebenso Wetzstein und Hammer. Seufzend fällt der Blick stattdessen auf Kamera und Stativ. Vielleicht ein anderes Mal.

Denn nun wird es höchste Zeit, sich einer einzigartigen Stadt zuzuwenden, einzigartig durch ihre topographische Lage auf einer Flußschleife. In der mit Mauern und Türmen befestigten Altstadt mit ihren bunten gotischen Häusern pulsiert das Leben. Das Städtische Museum hat natürlich, wie sollte es anders sein, die Flußschiffahrt auf dem Inn zum Thema, aber auch Handel und bürgerliches Leben im Wandel der Zeit. Und auch ein „Imaginäres Museum” gibt es hier in – die Ortskundigen werden es längst erraten haben – Wasserburg am Inn: originalgetreu replizierte Werke der Weltkunst sind hier einträchtig versammelt, es gibt einen Hundertwasser-Raum, einen Impressionisten-Raum und einen „Männer-Saal”, der Motive wegen. Wollte man all diese Werke im Original sehen, wäre eine Weltreise nötig.

Man wäre übrigens auch nicht am Chiemsee gewesen, hätte man nicht dem Erbauer des prachtvollen Schlosses auf der Herreninsel seine Reverenz erwiesen. Hier gibt es im Erdgeschoß des Südflügels das noch relativ neue König Ludwig II. Museum mit seinen originalen Prunkmöbeln und zahlreichen vom König in Auftrag gegebenen kunsthandwerklichen Schätzen, denn Ludwig II. liebte die Kunst in all ihren Facetten.

Im nahegelegenen Augustiner Chorherrenstift mit seinem prachtvollen Kaisersaal wurde 1948 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland entworfen. Vielleicht haben die Herren Politiker sich in den Sitzungspausen die Gemälde von Julius Exter, Mitbegründer der Münchner Secession, angesehen oder die Galerie Maler am Chiemsee. Man möchte es ihnen am liebsten gleichtun: hinausgehen nämlich und etwas von der wunderschönen Landschaft einfangen, für zuhause.

Aber noch ist es nicht so weit, im Gegenteil. Wie vom Torismusverband für den Feriengast bestellt zeigt sich über dem Sterntaler Filz ein Alpenglühen, das man den bewaldeten Vorbergen des nahen Kaisergebirges so gar nicht zugetraut hätte: Urzeitstimmung, wie geschaffen für die nächste und jüngste Attraktion der Gegend.

Und die befindet sich, dem Thema angemessen, unter der Erde. Präzise gesprochen auf 680 Quadratmetern, in denen Hunderte steinerner Platten das Leben auf der Erde vor hundert Millionen Jahren zeigen, sorgfältig herauspräpariert von Sebastian Neiderhell, der auch das Urweltmuseum aus privaten Mitteln realisiert hat.

Als erstes fällt ein Gelege mit Dinosaurier-Eiern auf. Ob sie wohl unbeholfen und blind waren nach dem Schlüpfen? Oder wohl doch eher so selbständig wie kleine Schildkröten? Saurier waren hoch entwickelte, an ihren jeweiligen Lebensraum angepaßte Tiere. Ein Flugsaurier muß in der Luft elegant und auf dem Boden unbeholfen gewirkt haben, falls er überhaupt je vom Boden wieder hochkam. Dieses versteinerte Prachtexemplar hier hat es noch nicht einmal geschafft, seine Flughäute ein letztes Mal auszuspannen.

Der Ichthyosaurier an der Wand gegenüber sieht einem Delphin nicht unähnlich. Und hatte sich wie dieser vom Land- wieder zum Meeresbewohner entwickelt. Die Welt des Mesozoikums war der heutigen gar nicht so unähnlich.

Aber die unzähligen Kalk- und Schieferplatten offenbaren nicht nur Knochen von Sauriern. Hier zum Beispiel ist es ein krebsartiges Wesen, dort ein urtümlicher Fisch oder gar ein Riesen-Lurch. Für den direkten anatomischen Vergleich hat man nebenan ein Aquarium mit Axolotl aufgestellt. Axolotl? Das hört sich gefährlich an, ist es aber nicht: Axolotl sind harmlose Lurche.

Um Tiere geht es auch im Tier- und Naturkundemuseum Bruckmühl, das eigentlich zwei Museen umfaßt, ein Tier- und ein Naturkundemuseum eben. Methusalem der Sammlung ist ein 100 Jahre alter Auerhahn, der auf einem Speicher gefunden wurde und nur gründlich abgestaubt werden mußte, denn die alten Tierpräparate sind oft haltbarer als die neuen. Das kennen wir ja auch schon von den Autos in Amerang.

Das Museum, ein achteckiger Holzbau, bekrönt den Zugang zum Auwald-Biotop. Heute sind nahezu alle Flüsse gebändigt und alle Auwälder verschwunden, dieser hier ist eine rühmliche Ausnahme. Die kleine Wanderung zum Nistplatz der Eisvögel, von denen sich allerdings keiner blicken läßt, beendet dann auch die wunderschöne Rundtour durch die Museen der Chiemsee Alpenland Region.

Es hätte noch so viele gegeben, das Heimatmuseum in Prien etwa oder das Holztechnische Museum in Rosenheim. Jedes für sich ein Kleinod für einen Nachmittagsausflug, alle zusammen ein Grund, hier in der Gegend auch einmal einen ganzen Urlaub zu verbringen.
Anzeige

Webmuseen Service

Museum fehlt
Wenn Sie ein Museum nicht finden, kann es sein, daß wir noch keine Daten bekommen haben. Bitte lassen Sie uns an Ihrem Wissen teilhaben. Die Aufnahme erfolgt redaktionell und somit kostenfrei.
Ein Museum empfehlen >>

Partner von Webmuseen werden
Unseren Publikationspartnern (siehe Fußbereich) stellen wir umfangreiche Daten für deren jeweilige Projekte zur Verfügung. Anbieter museumsbezogener Dienstleistungen profitieren von unserer Marktkenntnis und Reichweite.
Ihr Projekt beschreiben >>

Webmuseen SocialMedia

Sie sind Kulturliebhaber? Unsere Kanäle stehen Ihnen offen, zum Mitlesen oder um Ihre Tipps und Nachrichten mit unserer Community zu teilen.