In der Familie der makrokristallinen Quarze ist der Bergkristall das bekannteste Mineral, mit einem trigonalen Kristallsystem, der chemischen Zusammensetzung SIO2 (Siliziumdioxid), einer Härte von 7 und einer Dichte von 2,65 g/cm3. Reiner Quarz ist vollkommen transparent und farblos. Seine engsten Verwandten sind Amethyst, Citrin, Rauchquarz und Rosaquarz.
Der Name Kristall kommt aus dem griechischen „Kristallos“ und bedeutet „gefroren“. Dieser Glaube, Bergkristall sei fest gefrorenes Eis, hielt sich noch bis über das Mittelalter hinaus. Der Bergkristall war der begehrteste Stein des Altertums, und man vermutete überirdische Kräfte in ihm, mit besonders schützenden und heilenden Eigenschaften. Die klare, faszinierende Durchsichtigkeit des natürlich gewachsenen Materials übte einen künstlerisch ästhetischen Reiz aus.
Kunstobjekte aus Bergkristall
Zu den absoluten Höhepunkten in den bedeutendsten europäischen Museen gehören ohne Zweifel die kostbaren Prunkgefäße und Kunstobjekte aus Bergkristall. Deren Faszination liegt einerseits in der natürlichen, klaren Schönheit und der Seltenheit des schwer zu bearbeitenden Materials, andererseits aber auch in der handwerklichen und künstlerischen Virtuosität hochgeachteter Steinschneider.
Manfred Wild aus Kirschweiler in der Edelstein-Region Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz), ein wahrer Meister seines Fachs, lässt diesen „Mythos“ mit einer einzigartigen Sonderausstellung wieder aufleben.
„Ästhetik pur in Natur“: Dieser Bereich der Ausstellung zeigt phantastische, natürlich gewachsene Bergkristall-Mineralien – Besonderheiten in der Wunderwelt der Einschlüsse, etwa wenn das Siliziumdioxid des Bergkristalls auf Mineralen wie Rutil, Turmalin, Epidot, Goethit, Pyrit, Gold, Dendrit, Chlorit, Hämatit trifft und Phantom-Kristalle ihr geheimnisvolles Innenleben freigeben.
„Vom Bergkristall zum Computerchip“: Ein kleines Thema der Ausstellung, das der Technik in Bezug auf Bergkristall gewidmet ist. Schwing-Kristalle, die elementaren Bausteine unseres Elektronik-Zeitalters.
„Gebrauchsgegenstände aus Bergkristall“: Im alten Rom wurden mit Bergkristall-Kugeln Wunden ausgebrannt, und die feinen Damen nahmen sie zum Kühlen der Hände. Bis heute verwendet man ihn als Brieföffner, Schreibtischgarnituren, Hutnadeln und im gesamten Schmuckbereich. Objekte aus diesem klaren Material, wie Schalen, Pokale, Flacons und Dosen, sind auch heute bei Liebhabern und Sammlern noch genauso begehrt wie vor 2000 Jahren. Ei-Kreationen, Blüten, Tierfiguren, Obelisken, Kugeln und einzigartige Spitzen-Objekte runden diese Sonderausstellung im Knauf-Museum Iphofen ab.
Manfred Wild
Er gilt als der Fabergé des 21. Jahrhunderts: Edelsteinkünstler und -experte. Seine Stücke sind nicht nur beim Scheich aus Brunei oder in der Sammlung des japanischen Kaiserhauses zu finden, sondern begeistern weltweit die Besucher internationaler Museen in den USA, Europa oder auch im Nahen Osten. Nun hat er exklusiv für das Knauf- Museum in Iphofen eine Ausstellung mit brandneuen Kunstwerken geschaffen.
Manfred Wild übernahm nach seiner Ausbildung zum Edelsteinkaufmann sowie autodidaktischer Weiterbildungen in den Bereichen Kunst, Schleifen und Goldschmieden im Jahr 1970 die Achatschleiferei Emil Becker und entwickelte diese zu einer der angesehensten Edelsteinschleifereien der Welt. Neben seinem künstlerischen Wirken ist er seit 1997 Mitglied im Kuratorium der Stiftung Deutsches Edelstein-Museum und seit 2004 auch Mitglied im Vorstand der Stiftung. Darüber hinaus ist er Gründungsmitglied der „Deutschen Edelsteinstraße“.
Die Ausstellung umfasst die ganze Bandbreite des Bergkristalls vom Kunsthandwerk bis hin zum Einsatz in der Computertechnik. Zu den Highlights der Ausstellung gehören ein funktionstüchtiges Bierfass aus Bergkristall und 18karat Gold genauso wie ein Modell der Gorch Fock aus den gleichen Materialien. Wilds Meisterwerke werden im neuen Erweiterungsbau des Knauf-Museums gezeigt, der speziell für Sonderausstellungen in der Mitte Iphofens gebaut wurde.
Das Knauf-Museum Iphofen
Im Jahre 1973 begann der Gips-Fabrikant und Kunstmäzen Dr. Alfons N. Knauf mit dem Umbau eines prächtigen Iphofener Barockbaus von 1688 zu einem privaten Museum. Dr. Alfons N. Knauf, den die Erforschung der Materie Gips zeitlebens faszinierte, bereiste gemeinsam mit seinem Bruder Karl Knauf zehn Jahre lang die bedeutendsten Museen der Welt und trug Gipsabgüsse ihrer exklusivsten Exponate zusammen.
Heute präsentiert das Knauf Museum Iphofen über 200 Repliken der schönsten Museumsstücke aus aller Welt. Seit der Eröffnung am 30. Juni 1983 können Besucher aus aller Herren Länder hier Relief-Sammlungen aus den großen Kultur-Epochen der Menschheit bestaunen, die bis ins Jahr 3.500 vor Christus zurückreichen. Neben der Dauerausstellung führt das Knauf Museum Iphofen regelmäßig exklusive Sonderausstellungen durch, die in Eigenregie entstehen und in dieser Form einzigartig sind. Dabei kooperiert das Museum mit zahlreichen international angesehen Kunstmuseen.
Tipps der Webmuseen-Redaktion
Zur Ausstellung erscheint im Verlag J.H. Röll der Begleitband „Bergkristall – Natur. Technik. Kunst.“ ISBN 978-3-89754-414-7, dieser ist an der Museumskasse und im Buchhandel erhältlich!
Das Knauf-Museum im Internet:
http://www.knauf-museum.de
Übrigens: am 28. April 2012 ist Lange Nacht im Knauf-Museum!
http://www.knauf-museum.de/html/museumsnacht/Flyer_Museumsnacht.pdf